Meditativer Zugang zu Natur und 

Landschaft


Wiesen, Hügel, Berge, Täler, Auen, Felswände, Wälder, Bäche - alle Landschaften sprechen zu uns. Wenn wir uns einlassen auf sie, ihnen bewusst begegnen, statt sie nur zu begehen, werden wir umfangen vom Zauber des Daseins. 

Lernen wir wieder zu lauschen. Wir sind eingeladen.

Napf Gipfel, 1406m ü. M

16. Juli 2023 - Yvonne Obrecht

Den Kopf in den Wolken – das hast du wohl oft? 

Ja, das stimmt. Mir gefällt’s. Zusammen mit den Wolken hülle ich mich und die Menschen ein in eine stillere, leichtere Welt. Ich werde weiter und grösser, genau wie die Menschen auf mir. 

Aber viele kraxeln nur rauf und hören dich gar nicht. 

Ich weiss. Das macht nichts. Alle machen es so, wie es für sie passt. Ich spreche trotzdem und wer will, kann zuhören. Ich mag es, in den Wolken einzutauchen. 

Danke, dass du mir das ermöglichst. 

Das mache ich nicht. Ich erhalte es auch als ein Geschenk, das ich gerne teile. Macht richtig Freude, wenn ihr Menschen daran teilhabt. 

Du sagst, es macht dir nichts aus, wenn wir nur auf dir rumkraxeln, ohne deinen Geist wahrzunehmen. Findest du uns nicht oft anmassend und ignorant? 

Hm, ich habe den Eindruck, dass du das über einige Menschen denkst. Ich habe kein Problem damit. Für die einen bin ich ein Berg, den es zu erklimmen gilt, für die anderen ein Sonntagsausflug zur Freude oder als Pflichtübung und für wieder andere bin ich eine Begegnung, die auch ich geniesse. Die Menschen kommen zu mir wie die Wolken. Es gibt keine Regeln und ich habe keine Erwartungen. 

Du hast Recht, ich schäme mich sogar öfters für Mitmenschen, die respektlos sind gegenüber der Natur.

Dann glaubst du automatisch, dass ich das ebenso empfinde?

Ja, das tue ich wohl. Der Umgang untereinander und mit der Natur bedingt meiner Meinung nach Achtung, Respekt und Mitgefühl. Ich beobachte oft das Gegenteil und das macht mich traurig. 

Aber du kannst mich nicht beschützen. 

Warum nicht? 

Weil das nicht deine Aufgabe ist. 

Woher willst du das denn wissen? 

Weil wir alle nur eine Aufgabe haben, nämlich gut zu uns selbst zu schauen! Dadurch leben wir das uns geschenkte Leben und stellen sicher, dass wir uns selbst nicht verlieren. 

Verliere ich mich denn selbst, wenn es mich traurig macht, wie die Menschen mit dir umgehen? 

Ja, denn du siehst, hörst und spürst mich, genau wie ich dich wahrnehme. Das ist mehr als genug. Das ist es, was zählt. Es gibt viele wie dich und ich freue mich immer über diese Begegnungen. Darum ist es auch nicht von Belang, was die anderen tun.

Ich danke dir. Du bist wunderschön und weise, aber auch anstrengend

Du hast eine lustige Art, Komplimente zu machen. 

Mit anstrengend meine ich den Aufstieg und deine Ehrlichkeit.

Du findest also, dass Ehrlichkeit anstrengend ist? 

Ja, deine Ehrlichkeit verschiebt meine Wahrnehmung und verlangt dadurch, dass ich diese immer wieder überprüfe. Das ist anstrengend und ich danke dir dafür. 

Hat mich sehr gefreut!